Archiv für April 2010

Unser Blick auf AFRIKA: Neokolonial und eurozentristisch?

Workshop auf dem BUKO 33 in Tübingen
SA, 15.05.2010, 10:00 – 11:30 | Raum: Mörike-Schule R 2

AFRIKA – ist das nicht das Land mit den verhungernden Kindern, den Löwen und den korrupten DiktatorInnen?! Solche oder ähnliche Vorstellungen sind euch sicherlich auch schon begegnet. In unserem Workshop wollen wir uns mit dem sogenannten „Wissen“ über AFRIKA beschäftigen, das durch wissenschaftliche Theorien, mediale Darstellungen, geschichtliche Hintergründe und aktuelle Beziehungen zwischen afrikanischen und europäischen Staaten entstanden ist. Auf der theoretischen Ebene wollen wir uns dabei mit der Idee des „Orientalismus“ von Edward Said auseinandersetzen und fragen, inwiefern auch Blicke auf AFRIKA kolonialistisch und eurozentristisch geprägt sind und welche Folgen das hat. Anschließend möchten wir typische Texte und Bilder unter anderem aus der deutschen Presse zum Thema AFRIKA unter die Lupe nehmen und darüber diskutieren, auf welche Art und Weise Diskurse über AFRIKA positiv verändert werden können. Hierzu werden wir unterschiedliche Beispiele und Strategien vorstellen.

mit Mara Guesnet und Nikolai Huke (Projekt AfrikaBilder)

Afrika in unseren Köpfen

In den 1960er Jahren wurden viele der afrikanischen Länder unabhängig. Passend dazu bietet ARD online ein Afrika-Special zu „50 Jahre Unabhängigkeit“ an, in der neue Perspektiven auf und von Afrika gezeigt werden.

Dort lassen sich zahlreiche spannende Infos als Interviews, Dokus, Filme, Fotographien usw. sowie der folgende Artikel finden.

Afrika-Bilder
Afrika in unseren Köpfen

Ellen Hoffers

Der Sohn Kindersoldat, die Mutter an Aids gestorben, der Vater in einer Nussschale übers Meer geflohen. Und das alles vor traumhafter Kulisse: ewiger Sand, majestätisch dahin schreitende Löwen, grandiose Sonnenuntergänge. Ja, so ist Afrika! – denken wir jedenfalls.

Aus den großen, etwas trüben Augen der älteren Dame fließt Mitleid. „Und in welcher Nussschale sind Sie hier rübergekommen?“, fragt sie Serge nach einem Gottesdienst. Serge, 27, kommt aus Kamerun, studiert Wirtschaftswissenschaften in Mainz. Nach Deutschland ist er mit dem Flugzeug gekommen. Beinahe täglich habe er mit solchen absurden Situationen zu kämpfen, sagt er. Wie er damit umgeht? „Keine Ahnung, manchmal bin ich einfach sprachlos.“

„Schauen Sie sich doch mal die Berichterstattung in den Medien an“, sagt der Soziologe Prof. Tirmiziou Diallo. „Sie erfahren nichts über Afrika, außer über Aids, Krieg und Flüchtlinge, die übers Meer kommen – und wenn positiv über Afrika berichtet wird, dann über Tiere. Mit denen hat man Mitleid!“ Das Thema bringt den sonst so ruhigen Mann aus Guinea auch 50 Jahre nach seiner Ankunft in Deutschland noch in Rage, „diese Bilder von Afrika, das sind doch reine Projektionen“.

Unreflektierte Projektionen

Projektionen, die noch immer erstaunlich unreflektiert zwischen dem Safari-Traum „Abenteuer Afrika“ und dem von blutrünstigen Kriegern bevölkerten „Herz der Finsternis“ pendeln, wie Medienwissenschaftler Olaf Krems bestätigt. Andauernd populär im Fernsehen: In weiße Leinenkleider gewandte Mittvierzigerinnen, die in Afrika ihre Erfüllung zwischen wettergegerbten Farmbesitzern und unterwürfigen schwarzen Bediensteten suchen, die ausnahmslos ein zwar etwas infantiles, aber dennoch großes Herz besitzen. Sie sind Protagonistinnen einer Film-Kategorie, die leicht an der ewig gleichen Kulisse zu erkennen ist: Ein quasi menschenleeres Afrika der Tiere, geprägt durch grandiose Sonnenuntergänge, im Vordergrund streckt sich ein einzelner Baum in den Himmel, darunter zwei Löwen – wahlweise Giraffen –, die gemächlich in die Nacht spazieren.

Oder aber wir sehen in den Nachrichten das „Afrika der Barbaren“, die hässliche Fratze des „dunklen Kontinents“: Wir erschauern angesichts der uns so maßlos und unerklärlich erscheinenden Gewalt, die sich in angeblich tief in der Gesellschaft verwurzelnden „Stammeskriegen“ – politisch korrekt ausgedrückt: in ethnischen Konflikten – entlädt. Gewalt und Konflikte, die weder Geschichte noch Gründe kennen, sondern einzig den Tiefen einer dunklen Seele zu entspringen scheinen. Wörter wie politische Instrumentalisierung, Wirtschaftsinteressen und Einfluss von außen scheinen zur Erklärung zu kompliziert – und so werden Bilder aus ewigen Vorzeiten immer mal wieder als hoch aktuell präsentiert.

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