Impressionen des Symposiums „Oh, wie schön ist Afrika!“ Postkoloniale und zivilgesellschaftliche Einblicke zur geplanten Städtepartnerschaft Hamburg – Dar es Salaam

Dies ist der Titel des Hamburger Symposiums, welches am 8. Mai in Kooperation mit umdenken Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg e.V. und W3 – Werkstatt für internationale Kultur und Politik e.V. stattfand.

Hier ein kleiner Exkurs für all diejenigen, die sich mit der angestrebten Städtepartnerschaft Hamburg – Dar es Salaam nicht auskennen:
Es wurde bereits im Juni 2009 eine Erklärung über die Zusammenarbeit unterzeichnet, in der eine Partnerschaft unter anderem in den Bereichen Abfallbehandlung, Wasserver- und -entsorgung, Bildung, Gesundheitsversorgung und erneuerbare Energien angestrebt wird. Diese Städtepartnerschaft wird allerdings nicht in dem Tempo und der Form umgesetzt, wie es sich einige Hamburger NGOs wünschen. Warum das so ist und was das Besondere an der Städtepartnerschaft Hamburg – Dar es Salaam ist, wurde in der Veranstaltung diskutiert. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass die Stadt Dar es Salaam als Teil Deutsch-Ostafrikas (1855 – 1919), heute Tansania, eine koloniale Vergangenheit hat, die nach wie vor von großer Bedeutung ist.

Zentrale Fragen für das Symposium

Uns OrganisatorInnen interessierte mitunter, ob und wie die geplante Städtepartnerschaft bereits (Arbeits-)Prozesse in Gang gesetzt hat, was einzelne Akteure im Rahmen dieser machen und welche Grundvoraussetzungen für die Partnerschaft vor kolonialem Hintergrund eigentlich gelten?

Bedingungen und Herausforderungen der Städtepartnerschaft

Für das Symposium waren WissenschaftlerInnen und ExpertInnen aus der Praxis eingeladen, die sich zunächst mit dem Konstrukt Afrika und anschließend mit der Städtepartnerschaft vor einem kolonialen Hintergrund im Allgemeinen auseinandersetzen und diese hinterfragten. Von tansanischer Seite konnte kein/e Referent/in aus finanziellen Gründen eingeladen werden. Für eine nächste Veranstaltung ist es allerdings notwendig auch ReferentInnen von möglichen tansanischen MigrantInnenorganisationen in Hamburg und Umgebung dabeizuhaben.

Die Diskussionen der TeilnehmerInnen waren sehr lebendig – eigene Erfahrungen aus den unterschiedlichen Bereichen, u.a. Bildung und Wasserversorgung wurden eingebracht – Schwierigkeiten der Zusammenarbeit zwischen Institutionen innerhalb Hamburgs und zwischen denen Hamburgs und Dar es Salaam angedeutet. Deutliche Herausforderungen waren auch bei Schulkooperationen innerhalb der Städtepartnerschaft sichtbar. Obwohl Bildung ein großer Bereich der Kooperation ist, fehlt bislang eine Unterstützung durch die Stadt für die deutschen Schulen.
Ein Ergebnis des Symposiums war sicherlich, dass vor allem auf deutscher zivilgesellschaftlicher Ebene ein großes Engagement da ist – sei es durch Freiwilligendienste oder auch durch Schulpartnerschaften. Die Partnerschaft allerdings immer begleitet ist durch ungleiche Machtverhältnisse und Ressourcen. So besuchen wesentlich mehr deutsche Kinder die tansanische Partnerschule als tansanische Kinder das deutsche Pendant. Eine Partnerschaft per Definition „auf Augenhöhe“ findet also nicht statt. Inwiefern solche Muster auch in anderen Bereichen der Kooperation wiederzufinden sind, bleibt noch zu untersuchen. Wesentlich für eine Partnerschaft vor kolonialem Hintergrund ist laut der Geschichtswissenschaftlerin Dr. Marianne Bechhaus-Gerst eine gemeinsame geschichtliche Aufarbeitung, die notwendig ist für eine Partnerschaft „auf Augenhöhe“. Nur durch sie wird das gegenseitige Verständnis geschaffen und alle Parteien der Partnerschaft haben einen gleichwertigen Nutzen.

Bedeutung für das Projekt AfrikaBilder

Für das Projekt war das Symposium eine Möglichkeit sich näher mit dem spezifischen Fall der Städtepartnerschaft Hamburg – Dar es Salaam auseinanderzusetzen, Kontinuitäten und Brüche in der Zusammenarbeit ungleicher PartnerInnen zu diskutieren und Ideen für die Umsetzung stabiler gleichwertiger Partnerschaften vor kolonialem Hintergrund zu sammeln.