Veranstaltungstipp: „AfrikaBilder – jenseits von Sonne, Safari & Bürgerkrieg“

„AfrikaBilder – jenseits von Sonne, Safari & Bürgerkrieg“ nennt sich eine zweiwöchige Veranstaltungsreihe (19.9.-3.10.) der Aktion 3.Welt Saar. Sie hinterfragt die gängigen „AfrikaBilder“ – Afrika ist schwarz, arm, ursprünglich, unterentwickelt etc –, die oft mehr über uns selbst als über Afrika aussagen. Oder stimmt es etwa, dass Europa ein unterentwickeltes Afrika braucht, um sich selbst als entwickelt zu sehen, wie es einer der Referenten formuliert? Vier Veranstaltungen finden im Saarland statt, zwei in Rheinland-Pfalz, eine in Hessen.

Es lohnt sich bei der einen oder anderen Veranstaltung teilzunehmen!

Hier findet ihr das Poster mit dem Programm

Impressionen des Symposiums „Oh, wie schön ist Afrika!“ Postkoloniale und zivilgesellschaftliche Einblicke zur geplanten Städtepartnerschaft Hamburg – Dar es Salaam

Dies ist der Titel des Hamburger Symposiums, welches am 8. Mai in Kooperation mit umdenken Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg e.V. und W3 – Werkstatt für internationale Kultur und Politik e.V. stattfand.

Hier ein kleiner Exkurs für all diejenigen, die sich mit der angestrebten Städtepartnerschaft Hamburg – Dar es Salaam nicht auskennen:
Es wurde bereits im Juni 2009 eine Erklärung über die Zusammenarbeit unterzeichnet, in der eine Partnerschaft unter anderem in den Bereichen Abfallbehandlung, Wasserver- und -entsorgung, Bildung, Gesundheitsversorgung und erneuerbare Energien angestrebt wird. Diese Städtepartnerschaft wird allerdings nicht in dem Tempo und der Form umgesetzt, wie es sich einige Hamburger NGOs wünschen. Warum das so ist und was das Besondere an der Städtepartnerschaft Hamburg – Dar es Salaam ist, wurde in der Veranstaltung diskutiert. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass die Stadt Dar es Salaam als Teil Deutsch-Ostafrikas (1855 – 1919), heute Tansania, eine koloniale Vergangenheit hat, die nach wie vor von großer Bedeutung ist.

Zentrale Fragen für das Symposium

Uns OrganisatorInnen interessierte mitunter, ob und wie die geplante Städtepartnerschaft bereits (Arbeits-)Prozesse in Gang gesetzt hat, was einzelne Akteure im Rahmen dieser machen und welche Grundvoraussetzungen für die Partnerschaft vor kolonialem Hintergrund eigentlich gelten?

Bedingungen und Herausforderungen der Städtepartnerschaft

Für das Symposium waren WissenschaftlerInnen und ExpertInnen aus der Praxis eingeladen, die sich zunächst mit dem Konstrukt Afrika und anschließend mit der Städtepartnerschaft vor einem kolonialen Hintergrund im Allgemeinen auseinandersetzen und diese hinterfragten. Von tansanischer Seite konnte kein/e Referent/in aus finanziellen Gründen eingeladen werden. Für eine nächste Veranstaltung ist es allerdings notwendig auch ReferentInnen von möglichen tansanischen MigrantInnenorganisationen in Hamburg und Umgebung dabeizuhaben.

Die Diskussionen der TeilnehmerInnen waren sehr lebendig – eigene Erfahrungen aus den unterschiedlichen Bereichen, u.a. Bildung und Wasserversorgung wurden eingebracht – Schwierigkeiten der Zusammenarbeit zwischen Institutionen innerhalb Hamburgs und zwischen denen Hamburgs und Dar es Salaam angedeutet. Deutliche Herausforderungen waren auch bei Schulkooperationen innerhalb der Städtepartnerschaft sichtbar. Obwohl Bildung ein großer Bereich der Kooperation ist, fehlt bislang eine Unterstützung durch die Stadt für die deutschen Schulen.
Ein Ergebnis des Symposiums war sicherlich, dass vor allem auf deutscher zivilgesellschaftlicher Ebene ein großes Engagement da ist – sei es durch Freiwilligendienste oder auch durch Schulpartnerschaften. Die Partnerschaft allerdings immer begleitet ist durch ungleiche Machtverhältnisse und Ressourcen. So besuchen wesentlich mehr deutsche Kinder die tansanische Partnerschule als tansanische Kinder das deutsche Pendant. Eine Partnerschaft per Definition „auf Augenhöhe“ findet also nicht statt. Inwiefern solche Muster auch in anderen Bereichen der Kooperation wiederzufinden sind, bleibt noch zu untersuchen. Wesentlich für eine Partnerschaft vor kolonialem Hintergrund ist laut der Geschichtswissenschaftlerin Dr. Marianne Bechhaus-Gerst eine gemeinsame geschichtliche Aufarbeitung, die notwendig ist für eine Partnerschaft „auf Augenhöhe“. Nur durch sie wird das gegenseitige Verständnis geschaffen und alle Parteien der Partnerschaft haben einen gleichwertigen Nutzen.

Bedeutung für das Projekt AfrikaBilder

Für das Projekt war das Symposium eine Möglichkeit sich näher mit dem spezifischen Fall der Städtepartnerschaft Hamburg – Dar es Salaam auseinanderzusetzen, Kontinuitäten und Brüche in der Zusammenarbeit ungleicher PartnerInnen zu diskutieren und Ideen für die Umsetzung stabiler gleichwertiger Partnerschaften vor kolonialem Hintergrund zu sammeln.

Impressionen vom Workshop „Unser Blick auf AFRIKA“ – neokolonial und eurozentrisch?

„Unser Blick auf AFRIKA“ – neokolonial und eurozentrisch?

Diese Fragestellung galt es in dem Workshop auf dem 33. BUKO vom 13. bis 16. Mai in Tübingen zu klären oder sich ihr zumindest anzunähern.

Gemeinsame Perspektive (theoretischer Teil)

Für die Diskussionsgrundlage war es uns wichtig zu allererst eine gemeinsame Perspektive zu finden, aus der wir die Dinge betrachten und besprechen können. Daher mussten wir zunächst definieren was „unser Blick auf AFRIKA“ meint, nämlich nicht den Blick auf den geographischen und physischen Raum AFRIKA, sondern auf das Konstrukt AFRIKA, welches diskursiv beständig (re-)konstruiert wird. Nicht weniger bedeutsam für „unseren Blick auf AFRIKA“ ist ein bestimmtes „Wissen“ über AFRIKA, das durch wissenschaftliche Theorien, mediale Darstellungen, geschichtliche Hintergründe und aktuelle Beziehungen zwischen afrikanischen und europäischen Staaten entstanden ist und bis heute reale Auswirkungen hat.
Zum Einstieg diskutierten wir über Edward Saids Konzept von Orientalismus, das unserer Meinung nach auch auf Afrika angewendet werden könnte. Um das Konzept zu verstehen, lasst euch auf ein Gedankenspiel ein: Was ist für euch der „Orient?
Ich behaupte, dass viele unter euch eine bestimmte Vorstellung vom Orient haben; feste Bilder über das Aussehen der Menschen, der Architektur, der Lebensweise und des (kulturellen) Raumes. Es gibt sicherlich noch vieles mehr, was ihr mit dem Orient verknüpft, auch wenn ihr vielleicht nicht wisst was geographisch zum Orient gehört oder wo sich dieser eigentlich befinden soll. Das spielt laut Said bei dem Konstrukt auch nur eine nebensächliche Rolle. Die Zuschreibung bestimmter Merkmale und die darin inbegriffenen Wertungen sowie die beständige Bestätigung der Stereotypen in Diskursen lassen den Orient als einen realen Raum erfahrbar werden. Das Wesentliche dabei ist allerdings, dass er im Kontrast zum okzidentalen Raum steht und als das „Andere“, als das Negativ konnotierte, konstruiert wird.
Zurück zum Konstrukt AFRIKA: Das von Morrison entwickelte Konzept des Afrikanismus funktioniert nach dem gleichen Prinzip. AFRIKA als Konstrukt wird erfunden und durch die etablierten Differenzierungen zwischen Chaos und Zivilisation stabilisiert es Klassenverhältnisse und reguliert die Machtausübung.

Produziertes „Wissen“ über AFRIKA (praktischer Teil)

Mit diesen theoretischen Informationen im Gepäck ging es in den praktischen Teil des Workshops. Für die TeilnehmerInnen des Workshops bedeutete das, sich in Gruppen aktuelle Textausschnitte, beispielsweise Auszüge der Erfahrungsberichte von Freiwilligen oder PraktikantInnen in sogenannten Entwicklungsländern oder ein Veranstaltungsplakat einer „Nord-Süd-Vereinigung“, anzusehen und darin „unseren Blick auf AFRIKA“ zu erkennen und gemeinsam zu hinterfragen.
Damit auch diejenigen, die leider nicht beim Workshop dabei sein konnten, einen kleinen Eindruck von dem gewinnen, was in der Welt geschrieben und an „Wissen“ über AFRIKA verbreitet wird, kommt hier ein kurzer Abschnitt eines Freiwilligenerfahrungsberichtes:

„Ich bin in meiner freiwilligen Arbeit nicht mehr unglücklich, meistens sogar richtig glücklich dank der Hilfe durch die hier täglich ums Überleben kämpfenden, von den vor Lebendigkeit strotzenden Menschen. Danke, danke, danke!!! Voilà, endlich bin ich hier angekommen. Und richtig gut!!! Meine vorherige Zeit in der wohlhabenden Welt war still und friedlich zwar etwas eintönig, etepetete, aber durchaus nicht langweilig. Aber was ist das jetzt für eine verrückte Zeit. Ich bin dort, wo der Dreck und die Armut nach Veränderung sucht. Und ich bin glücklich.“
(Aufgeschriebenes einer Freiwilligen, die ihren einjährigen Dienst in einem afrikanischen Land macht)

Auch die im Jahre 1999 gehaltene Rede des Übersee-Clubs e.V. in Hamburg anlässlich des Besuches des ehemaligen Präsidenten Tansanias, Julius Nyerere, zeigt „unseren Blick auf AFRIKA“. (Dabei muss an dieser Stelle betont werden, dass die Einladung des Übersee-Clubs vom Hamburger Senat erfolgte!) In der Rede legte der Übersee-Club e.V. großen Wert darauf, die gemeinsame (Kolonial-) Geschichte Tansanias und Deutschlands hervorzuheben und betonte dabei „well this is the past of our relationship we don´t have to be ashamed of“. Der Übersee-Club nimmt in seiner Rede eine Geschichtsschreibung vor, in der „the Kilimanjaro was first explored by a German missionary in 1848“. Außerdem rühmen sie sich des „legendary Paul von Lettow-Vorbeck“, der „the German General was, who successfully defended the former German East Africa in the First World War, but had to give up, when Germany was defeated.” Welche ruhmreiche Persönlichkeit Lettow-Vorbeck laut dem Übersee-Club für Deutschland und Tansania gewesen zu sein scheint, wird auch in diesem Zitat deutlich „A good number of his surviving old Askaris (lokalen Soldaten) saluted him with tears in their eyes and saw him off with cheers – even after forty years.“

Von der deutschen Kolonialgeschichte als Zeit der Unterdrückung, Ausbeutung und Versklavung mitunter durch die Befehle Lettow-Vorbecks ist keine Rede – aber das tut ja auch nichts zur Sache, es ist ja schließlich lange her und die anderen Kolonialmächte waren eh viel schlimmer und sowie, das geschichtliche „Wissen“ ist ja immer interpretierbar, oder ist jemand anderer Ansicht?!
Dass solche aktuellen Textausschnitte genügend Stoff zum Debattieren bieten, zeigte sich auch an der anschließenden angeregten und lebhaften Diskussion. In der offenen Runde stellten die TeilnehmerInnen zahlreiche Zitate aus ihren Textausschnitten vor, die implizite und explizite neokoloniale und eurozentrische Blicke auf AFRIKA sichtbar werden ließen. Die Auswahl der Textausschnitte könnte beliebig erweitert werden. Gerade jetzt zur Fußball-WM wird es sicherlich viele Beispiele geben, wie die mediale Berichterstattung an dem bestehendem „Wissen“ über AFRIKA anknüpft und ihren neokolonialen und eurozentrischen Blick nicht wechseln wird.

Seminarkonzept: Stolpersteine in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit

Tine Maier und Martina Backes: „Stolpersteine in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit“, Seminarkonzept zum Wochenendseminar der Weltläden Hessen und Arbeit und Leben Hessen, 04.-05.04.08 in der Ökumenischen Werkstatt Langenselbold

Stolperstein: Es werden geografische Großräume oder sogar ganze Kontinente thematisiert.

Lösungsvorschlag:

1. Das zu unterrichtende Thema in einem kleineren geografischen Raum (Land/Region) ansiedeln.

2. Gegenläufige Entwicklungen innerhalb eines Landes oder einer Stadt darstellen

3. Den geschichtlichen Prozess der Konstruktion von Nationalstaaten / Kontinenten thematisieren (Stichwort: vermeintliche Natürlichkeit/Unnatürlichkeit)

4. Alternative Raumkonzepte vorstellen (transnationale Räume und transnationale soziale Netze, Black Atlantik, Migrationsrouten in verschiedene Richtungen. Stichwort: auch Süd – Süd und nicht ausschließlich Nord-Süd)

5. Bedeutung und Prozesse der Entstehung von Grenzen und Übergängen thematisieren

Unser Blick auf AFRIKA: Neokolonial und eurozentristisch?

Workshop auf dem BUKO 33 in Tübingen
SA, 15.05.2010, 10:00 – 11:30 | Raum: Mörike-Schule R 2

AFRIKA – ist das nicht das Land mit den verhungernden Kindern, den Löwen und den korrupten DiktatorInnen?! Solche oder ähnliche Vorstellungen sind euch sicherlich auch schon begegnet. In unserem Workshop wollen wir uns mit dem sogenannten „Wissen“ über AFRIKA beschäftigen, das durch wissenschaftliche Theorien, mediale Darstellungen, geschichtliche Hintergründe und aktuelle Beziehungen zwischen afrikanischen und europäischen Staaten entstanden ist. Auf der theoretischen Ebene wollen wir uns dabei mit der Idee des „Orientalismus“ von Edward Said auseinandersetzen und fragen, inwiefern auch Blicke auf AFRIKA kolonialistisch und eurozentristisch geprägt sind und welche Folgen das hat. Anschließend möchten wir typische Texte und Bilder unter anderem aus der deutschen Presse zum Thema AFRIKA unter die Lupe nehmen und darüber diskutieren, auf welche Art und Weise Diskurse über AFRIKA positiv verändert werden können. Hierzu werden wir unterschiedliche Beispiele und Strategien vorstellen.

mit Mara Guesnet und Nikolai Huke (Projekt AfrikaBilder)