Afrika in unseren Köpfen

In den 1960er Jahren wurden viele der afrikanischen Länder unabhängig. Passend dazu bietet ARD online ein Afrika-Special zu „50 Jahre Unabhängigkeit“ an, in der neue Perspektiven auf und von Afrika gezeigt werden.

Dort lassen sich zahlreiche spannende Infos als Interviews, Dokus, Filme, Fotographien usw. sowie der folgende Artikel finden.

Afrika-Bilder
Afrika in unseren Köpfen

Ellen Hoffers

Der Sohn Kindersoldat, die Mutter an Aids gestorben, der Vater in einer Nussschale übers Meer geflohen. Und das alles vor traumhafter Kulisse: ewiger Sand, majestätisch dahin schreitende Löwen, grandiose Sonnenuntergänge. Ja, so ist Afrika! – denken wir jedenfalls.

Aus den großen, etwas trüben Augen der älteren Dame fließt Mitleid. „Und in welcher Nussschale sind Sie hier rübergekommen?“, fragt sie Serge nach einem Gottesdienst. Serge, 27, kommt aus Kamerun, studiert Wirtschaftswissenschaften in Mainz. Nach Deutschland ist er mit dem Flugzeug gekommen. Beinahe täglich habe er mit solchen absurden Situationen zu kämpfen, sagt er. Wie er damit umgeht? „Keine Ahnung, manchmal bin ich einfach sprachlos.“

„Schauen Sie sich doch mal die Berichterstattung in den Medien an“, sagt der Soziologe Prof. Tirmiziou Diallo. „Sie erfahren nichts über Afrika, außer über Aids, Krieg und Flüchtlinge, die übers Meer kommen – und wenn positiv über Afrika berichtet wird, dann über Tiere. Mit denen hat man Mitleid!“ Das Thema bringt den sonst so ruhigen Mann aus Guinea auch 50 Jahre nach seiner Ankunft in Deutschland noch in Rage, „diese Bilder von Afrika, das sind doch reine Projektionen“.

Unreflektierte Projektionen

Projektionen, die noch immer erstaunlich unreflektiert zwischen dem Safari-Traum „Abenteuer Afrika“ und dem von blutrünstigen Kriegern bevölkerten „Herz der Finsternis“ pendeln, wie Medienwissenschaftler Olaf Krems bestätigt. Andauernd populär im Fernsehen: In weiße Leinenkleider gewandte Mittvierzigerinnen, die in Afrika ihre Erfüllung zwischen wettergegerbten Farmbesitzern und unterwürfigen schwarzen Bediensteten suchen, die ausnahmslos ein zwar etwas infantiles, aber dennoch großes Herz besitzen. Sie sind Protagonistinnen einer Film-Kategorie, die leicht an der ewig gleichen Kulisse zu erkennen ist: Ein quasi menschenleeres Afrika der Tiere, geprägt durch grandiose Sonnenuntergänge, im Vordergrund streckt sich ein einzelner Baum in den Himmel, darunter zwei Löwen – wahlweise Giraffen –, die gemächlich in die Nacht spazieren.

Oder aber wir sehen in den Nachrichten das „Afrika der Barbaren“, die hässliche Fratze des „dunklen Kontinents“: Wir erschauern angesichts der uns so maßlos und unerklärlich erscheinenden Gewalt, die sich in angeblich tief in der Gesellschaft verwurzelnden „Stammeskriegen“ – politisch korrekt ausgedrückt: in ethnischen Konflikten – entlädt. Gewalt und Konflikte, die weder Geschichte noch Gründe kennen, sondern einzig den Tiefen einer dunklen Seele zu entspringen scheinen. Wörter wie politische Instrumentalisierung, Wirtschaftsinteressen und Einfluss von außen scheinen zur Erklärung zu kompliziert – und so werden Bilder aus ewigen Vorzeiten immer mal wieder als hoch aktuell präsentiert.

Klickt hier zum vollständigen Artikel und lest ihn weiter. Es lohnt sich!

Stop Stereotyping Africa

Artikel in der Khaleej Times Online und rezipiert und kommentiert auf dem africa blog, der sich beschäftigt mit „The African Continent continues to suffer from poverty, war, disease and human rights abuses. Why is it possible that this continues into the 21st Century?“

In a recent opinion piece, a political commentator argues that the African continent is too often stereotyped as being filled with violence and poverty. He believes that most people are under the wrong impression about the current state of the continent and that the overall well-being of Africa is much better than people think. He further argues that Africa is ready for an economic boom, much like India and China. He points out how modern many African countries have become and that there are growing industries and productivity. Countries like Nigeria and Tanzania are doing well because of democracy and capitalism. The violence and poverty that we so often associate with Africa only is in a very small portion of the continent, according to the author.

This short opinion article offers a refreshing and optimistic viewpoint on the current state of Africa. But is the author being realistic? Are we under the wrong impression because we only hear about the negative aspects and events within the continent or is Africa as bad as it seems?
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Wie vermeide ich es, rassistische Artikel zu schreiben?

weiß, Schwarz, Rassimus in Wikipedia:

Von andrax, Mitarbeiter der vorwiegend weißen Wikipeda in Deutschland.

Vorbemerkung. Dieser Beitrag setzt die Lektüre des Buches von Noah Sow „Deutschland Schwarz Weiß. Der alltägliche Rassismus.“ (i. F. DSW) voraus. Dieses Buch ist für mich als Mitarbeiter der Wikipedia hier der Anlass, den alltäglichen Rassismus in der Wikipedia selbstkritisch zu reflektieren. Diesen Beitrag versteht ich als den Versuch, die eigenen – meist unsichtbar gehaltenen und unbenannten – weißen Positionen, Blickweisen und Normen in der Wikipedia offen zu legen und für eine Kritik zugänglich zu machen. So notwendig mir dieser Versuch von weißer Seite auch erscheint, ihm geht wie mit dem hier vorgestellten Buch von Noah Sow immer eine Kritik von Schwarzer Seite voraus. Ich habe mich entschieden, diese Kritik von Schwarzer Seite hier sehr deutlich darzustellen und mich an dieser Kritik zu orientieren, weil ich deutlich machen möchte, dass dieser Versuch weißer Selbstreflexion eigener Privilegien nichts Selbstverständliches ist und nicht ohne die vorausgegangene Kritik von Schwarzer Seite stattfinden würde. Ein solcher Versuch instrumentalisiert somit aber in letzter Konsequenz auch diese Schwarze Kritik für sich. Auf dieses Dilemma möchte ich hier deutlich hinweisen. Anregungen, die helfen dieses Dilemma zu überwinden, sind also sehr willkommen.
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